Der Weg des Namings

Der Weg des Namings

Dies ist ein Artikel für unsere Startup-Leser.

Wenn euch interessiert, warum unsere Customer Data Plattform Attractify heißt, lest euch gerne diesen Blogartikel durch.

In diesem Artikel möchten wir bewusst einen etwas tieferen Einblick geben, wie der Naming-Prozess ablief. Für erfahrene Produktmanager wird der Prozess vermutlich wenig überraschend sein. Für junge Gründer oder Startups finden sich sicherlich einige Ansätze, um ihren eigenen Kreativprozess anzukurbeln.

Tl;dr: Nehmt viele Perspektiven ein, probiert unterschiedlichen Methoden aus und ganz wichtig: fokussiert euch stets auf den Mehrwert, den das Produkt für deine Kunden bietet.

Erster Versuch: Freies Brainstorming

Also, los geht’s, Logbucheintrag Nummer 1. Stift und Papier liegen bereit, die Deadline ist für Montag angesetzt. Du schreibst unzählige Namen auf, fragst deine Kolleg:innen nach ihrer Meinung und suchst dir deinen Favoriten aus. Easy, Aufgabe erledigt. Fehlt nur noch die Domain-Registrierung. Und genau hier fängt das Problem an, mit dem heutzutage viele Startups konfrontiert werden.

Standard ist eine .com-Domain. Du gibst deinen Favoriten in das Domain-Register ein und stellst fest, die Domain ist leider vergeben. Du wiederholst den Vorgang mit einem anderen Namen, aber demselben Ergebnis. Fakt ist: fast alles ist bereits belegt, und die Domains, die noch verfügbar sind, sind knifflige Zungenbrecher. Also eher keine gute Wahl für ein Produkt, das noch keiner kennt. Und noch ärgerlicher: die meisten deiner Wunsch-Domains sind inaktiv oder werden für viel Geld verkauft, das man als Startup an vielen anderen Stellen gut gebrauchen kann.

Inzwischen waren schon über zwei Wochen vergangen, in denen immer wieder Namen wie Geistesblitze durch unsere Köpfe schossen, wir total begeistert den Domainmarkt gecheckt haben, um dann festzustellen: Ja, irgendjemand war wieder mal schneller.

Eine weitere spannende Entwicklung: unsere Ideen wurden zunehmend abgefahrener, weil wir uns zu sehr auf die noch freien Domains fokussiert hatten. Irgendwann war es an der Zeit, den Reset-Knopf zu drücken und das Produkt wieder in den Fokus zu rücken.

Zweiter, dritter und vierter Versuch: Worte, Wortkombinationen und Feenstaub

Die Suche nach einem verständlichen Namen ging weiter. Stellte sich die nächste Frage: was ist eigentlich verständlich für diejenigen, die unsere Plattform noch nicht kennen? Unsere Liste an treffenden Worten, wie “data”, “journey”, aus denen wir einen Namen formen wollten, war abgearbeitet. Bislang ohne Erfolg.

Nächster Versuch: Wortkombinationen. Wir dachten in Richtungen wie “dataloop”, “customer circle” oder “user frames”. Schon besser, denn teilweise waren passende Domains frei. Das Problem: die freien Treffer waren entweder so lang wie der Weg von Stuttgart nach Hamburg, oder der Wortklang ähnelte den Begriffen aus einem SAP-Benutzerhandbuch.

Nächster Versuch: Es muss ein Fantasiename her – logisch. Der Klassiker ist, man nehme eine Ansammlung von Vokalen und Konsonanten, die halbwegs brauchbar klingen und hänge ein “o” dahinter. Aber gefühlt ist dieser Trend bereits 2010 verpufft.

Fünfter Versuch: Die Meta-Ebenen und der Vollmilch-Nougat-Waffel-Riegel

Also, weiter geht’s. Wie wäre es, wenn wir keinen der Begriffe, die unser Produkt beschreiben, also beispielsweise Customer Data Platform, im Namen haben, sondern wir beschreiben, was unsere Kund:innen damit erreichen können? Um das etwas zu veranschaulichen: man nennt den Schokoriegel nicht “Vollmilch-Nougat-Waffel-Riegel”, sondern einfach “YamYam”. Weil der Kunde findet, er schmeckt “YamYam”. Dieser Ansatz klingt nicht schlecht. Denn letztendlich soll ein Name gewisse positive Assoziationen wecken. Und bei “Vollmilch-Nougat-Waffel-Riegel” bin ich eingeschlafen, bevor ich den Riegel überhaupt gegessen habe. “YamYam” hat aber irgendwas, was mich neugierig macht. Und das ist ja auch Sinn und Zweck eines Namens.

Wie hilft denn unsere Customer Data Platform unseren Kund:innen? Zum einen lernen unsere Kund:innen ihre User dadurch besser kennen und können ihre Bedürfnisse somit besser verstehen. Zum anderen können sie ihre User damit auch durch das Ausspielen von Aktionen im richtigen Moment unterstützen. Unsere neuen Kernbegriffe waren gesetzt: “verstehen” und “unterstützen”. Es folgten wieder einige Naming Sessions, bei denen zum Teil sehr lustige Kombinationen rauskamen, die aber weder Emotionen weckten, noch melodisch klangen.

Also mussten wir noch eine Ebene höher gehen. Was ist das Ziel, das unsere Kund:innen mit dem Einsatz einer solchen Plattform verfolgen? Und hier hat es geklickt. Mit unserer Plattform kann man aus normalen Usern Fans machen. Denn unser Ansatz ist es, dass wir unseren Kund:innen dabei helfen, ihre User im richtigen Moment zu unterstützen und ihnen dadurch eine reibungslose Customer Journey zu ermöglichen.

Der Dreisatz der Namensfindung.

Um es zusammenzufassen: wir helfen unseren Kund:innen, attraktiver zu werden und somit ihre User stärker anzuziehen. Nur wie gießt man das jetzt in einen Namen? Also haben wir den bekannten Dreisatz der Namensfindung angewandt.

Das Kernwort finden Ins Englische übersetzen Eine fancy Endung anhängen

Das Kernwort

Unser Wunsch ist, dass wir eine Plattform anbieten, mit der unsere Kund:innen Websites für ihre User attraktiver werden lassen und neue User anziehen können. Demnach sind “attraktiv” und “anziehen” die Kernwörter. Lustigerweise bedeutet “attraktiv” anziehend. Also haben wir hier zwei Kernwörter, die das gleiche meinen und wir können mit Schritt Nummer 2 weitermachen.

Die Übersetzung und die Endungen

“Anziehen” übersetzt bedeutet “to attract”. Das war einfach. Jetzt wird es aber wieder schwieriger in Schritt drei. Also etwas Frisches, aber gleichzeitig auch Seriöses. Hier gibt es viele Listen, die die gängigsten Endungen auflisten. Darunter sind dann so Endungen wie: ly, fy und icious.

Wenn man das jetzt mal mit unserem “attract” durchspielt, kommen Kombinationen wie “attractly”, “attractfy” oder “attracticous” raus. Hier hat uns “attractly” ganz gut gefallen, aber erste Assoziationen gingen eher in Richtung Single- oder Datingplattform . Nicht gerade die Richtung, die wir auf dem Schirm hatten. Vielleicht dann doch eher in Richtung “attractfy”? Hm, ja ganz nett, und klingt aber wie der Zustand unserer Straßen in Deutschland. Etwas buckelig. Aber das “i” aus “icious” hat was. In vollendeter Form: Attractify. Und schon liest es sich viel runder, beschreibt einen Vorgang und drückt das aus, was wir mit unserer Customer Data Platform erreichen wollen. Die Services unserer Kund:innen attraktiver machen.

Der Aha-Moment

Die .com-Domain für Attractify ist leider auch belegt und inaktiv. Im ersten Moment sind wir enttäuscht und fragen uns: wollen wir wieder von vorne anfangen? Ein Blick in die Runde signalisierte schnell: Nein, wir nehmen die .io-Domain zu “Attractify”. Auch wenn wir nicht die .com-Domain bekommen haben, trifft Attractify den Nagel auf den Kopf: wir machen aus Usern Fans. Daher sind wir den Kompromiss sehr gerne eingegangen. Wie sagte mein Lateinlehrer damals: “Junge, manchmal muss man Kompromisse machen. Und deine Klausur sieht nach einem großen Kompromiss zu Gunsten des Papier-Sparens aus.”

Lange Rede kurzer Sinn: Wir haben attractify.io registriert und sind sehr zufrieden damit. Der Weg hatte ein paar Schleifen, aber er hat sich gelohnt. Und an dieser Stelle auch nochmal ein herzliches Dankeschön an alle, die bei dem Prozess mitgewirkt haben. So kam viel wertvoller Input zusammen, und man verhindert nebenbei auch, sich zu verrennen, da man mehrere Blickwinkel hat.

Foto von Patrick Perkins auf Unsplash

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